Die Adventszeit ist die Vorbereitung auf Weihnachten, für viele Menschen die schönste Zeit im Jahr. Mit der Stille ist es heute allerdings nicht mehr so weit her. Die Frage: „Können wir noch warten darauf, dass die nachdenklich stimmende Dunkelheit vom wärmenden Kerzenschein erhellt wird?“
Doch Wartenkönnen scheint im Computerzeitalter zum Fremdwort mutiert. Eine X-mas Party jagt die andere. Der wärmende Kerzenschein wird durch flimmerndes LED-Licht ersetzt, und gleich nach Heiligabend müssen die ersten Weihnachtsbäume Platz machen für die Deko der Silvesterfeier.
Es gibt sie aber dennoch – die stillen Plätze, an denen die Adventszeit ihren festen Raum behalten hat. Einer dieser Räume ist die evangelische Untere Kirche in Bieber. „Mach hoch die Tür, die Tor macht weit“ hieß es da zu Beginn eines besonderes Adventskonzertes, das die Chorgemeinschaft Altenhaßlau gemeinsam mit dem Liederkranz Bieber einfühlsam gestaltete.
Das protestantische Weihnachtslied „Macht hoch die Tür“ kann hinsichtlich seiner pathetischen Komposition als typischer Vertreter barocker Kirchenmusik bezeichnet werden. Der Text stammt aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts und wurde von dem Königsberger Theologen Georg Weißel in direkter Anlehnung an den Psalm 24, 7-10 verfasst. Wie kein anderes Lied weist es auf den Höhepunkt der Adventszeit, auf Weihnachten, hin. Gemeinsam stimmten sich Gemeinde und Chöre mit diesem Lied auf eine besinnliche Stunde ein.
Pfarrerin Sabine Ruf begrüßte die Konzertbesucher. „Schön, dass Sie gekommen sind, in unsere Untere Kirche, um Adventliches und Weihnachtliches zu hören. Ich bedanke mich bei allen, die dieses Konzert vorbereitet haben.“ Ein Dank ging auch an den Förderkreis Laurentia, der dafür gesorgt hatte, dass niemand trockenen Mundes nach Hause gehen musste und nach dem Konzert heißen Apfelglühwein und Bratwürste servierte. Der Förderkreis setzt sich für die Instandsetzung der Laurentiuskirche ein, für die auch der Erlös aus dem Adventskonzert bestimmt wurde.
In der Vergangenheit wurde der Erlös des alljährlichen Konzertes des Liederkranzes der evangelischen und katholischen Kirchengemeinde gespendet. „In diesem Jahr spendet die katholische Pfarrgemeinde den ihr zugedachten Teil für die Laurentiuskirche“, erklärte die Vorsitzende des Liederkranzes, Doris Weinel.
Stimmgewaltig ertönte dann „Zum Advent“ aus der Weihnachtskantate von Franz Biebl. Einfühlsam erklang im Anschlussin einem Satz von Emil Rabe „Hört die Zeit ist nah“, bevor starke Männerstimmen vielstimmig nuanciert „Es ist ein Ros entsprungen“ intonierten.
„Verkündung an die Hirten“ aus der weihnachtlichen Kantate „Gottes Sohn ist geboren“ beeindruckte im perfekten Zusammenspiel von Solistin Gisela Zimmermann mit den Bieberer und Altenhaßlauer Sängern. Alexander Daumas rundete mit seinem Orgelspiel ein gefühlvolles Adventskonzert ab, das unter der musikalischen Gesamtleitung von Christina Trageser zu einem Lichtblick in der dunklen Jahreszeit wurde.
Positiv fiel auf, dass sich die Zuhörer im Laufe des Konzertes den wahrlich verdienten Applaus bis zum Ende aufsparten. Somit blieb der feierliche, besinnliche Rahmen bis zum Ende erhalten, das mit dem gemeinsamen „Oh du fröhliche“ von Chören und Gemeinde einen klangvollen Ausklang fand.
